Mit einer großen närrischen Geburtstagsgala feierte die Hexenzunft in der Reithalle ihr 75. Wiegenfest. VSAN-Präsident Roland Wehrle wurde gestempelt. Volkskundler Werner Mezger gab einen spannenden Einblick in die Fasentgeschichte. Die »Hexinos« stehen seit 50 Jahren auf der Bühne!
Es war eine richtig schöne Geburtstagsgala, die die Hexenzunft am Freitagabend den rund 400 geladenen Gästen in der Reithalle präsentierte Ob historischer Gauchkarren oder kleine Strohhexe, auch bei der Bühnendekoration ließen sich die zweitältesten Hexen Süddeutschlands und erste Hexenzunft in der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) nicht lumpen. Mit Hans-Georg Roth, Walter Pfeiffer und Wolf-Dieter Kleinert konnte Zunft- und Hexenmeister Uwe Schreiner gleich drei seiner insgesamt sechs Vorgänger persönlich begrüßen. »Wir sind eine große Hexenfamilie«, schwärmte Schreiner in seiner launigen Ansprache, und man glaubt es ihm. Auch der Gruß an die 27 Stadtteil- und Umlandzünfte kam herzlich von den Lippen, »es macht einfach Spaß, mit euch Fasent zu feiern«.
Ein kunterbuntes Programm mit viel Wissenswertem, Launigem und Erfrischendem hatte die Zunft für ihre fast dreistündige Bühnengala auf die Beine gestellt. Moderiert wurde das Programm vom Hexen-Fan seit Geburt, dem SWR 3-Nachrichtensprecher mit Geburtsort Offenburg im Personalausweis, Günther Laubis.
»Offenburgs Hexen sind das Original«, lobte der fernsehbekannte Volkskundler Professor Werner Mezger bei seinem Kurzvortrag zur Geschichte der Fasnacht in Europa, die rührige 185 aktive Mitglieder starke Zunft. Das Ehepaar Karl und Pauline Vollmer habe die Hexenmaske 1935 als zweite Hexenfigur überhaupt im schwäbisch-alemannischen Sprachraum etabliert, so Mezger. Zuvor sei die Figur nur in Tirol bekannt gewesen. Die Hexe als Fasentfigur an sich sei bis in das späte Mittelalter nachverfolgbar. Aber die ersten Masken – laut Mezger Teufelsmasken aus Ton – seien im 14 Jahrhundert nicht an Fasnacht getragen worden, sondern während der Pfingsttage.
Oberbürgermeisterin Edith Schreiner lobte das Symbol der Bohneburger Fasent als bedeutendste Narrenfigur im Südwesten sowie als Symbol der Offenburger Fasent: »Ihr habt euch gut gehalten, euer Alter sieht man euch jedenfalls nicht an.« Als Geburtstagsgeschenk gab es von der OB eine Hexen-Werres-Vogel-Figur für die Hexenkuchi.
Den Jubiläumsstempel auf den blanken Bauch gedrückt bekam der Präsident der Vereinigung Schwäbisch Alemannische Narrenzünfte, Roland Wehrle, der mit einer launigen gereimten Rede das närrische Publikum bestens unterhielt. Wer Wehrle kennt, der weiß: Der Erznarr nimmt kein Blatt vor den Mund, und so sind dem obersten Verbandschef auch die Kommentare vom Präsidenten des Ortenauer Narrenbunds, Rainer Domfeld, zur »Hierarchie-Diskussion« im Offenburger Tageblatt nicht entgangen. »Der Domfeld könnte bei mir höchstens als Büttel anfangen – mit zweijähriger Probezeit«, erklärte Wehrle mit einem kräftigen Lächeln im Gesicht. Narren müssen halt auch mal einen Seitenhieb närrisch nehmen...
Während die »Hexinos«, acht musikalische Leckerbissen ihrer nunmehr 50 Bühnenjahre präsentierten, zeigten die Hexen selbst im Rahmen einer exzellent inszenierten Revue ihre Zunftgeschichte. Vom ersten Umzug beim Narrentreffen der Althistorischen Narrenzunft in Offenburg 1936 über das Fasentverbot durch die französischen Besatzungskräfte nach dem Krieg bis hin zum Bau der Hexenkuchi in den 80er-Jahren wurden nicht nur bei den alten Hexen sichtbare Emotionen geweckt.
Und noch zwei Jubiläen
Gleich drei runde Geburtstage werden 2010 in der Hexenzunft gefeiert. Während die Hexen mit 75 und die Hexinos mit 50 Jahren glänzen, sind die Hexenfetzer nun auch schon 25 Jahre auf der Bühne und auf den Straßen der Region zu Hause. Ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gab es für die Hexen von ihren eigenen Spättle-Hansele, einen Geburtstagskalender. »Damit ihr nicht wieder einen Geburtstag vergesst« – denn die Hansele feierten 2006 fast unbemerkt ihr 50. Wiegenfest.
(Bericht aus dem Offenburger Tageblatt vom 01.02.2010 von Volker Gegg)